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Rocken für den Tropenbaum: Neuer Lebensraum für Orang-Utans - Volles Haus bei Regenwaldfestival im Colos-Saal - Einnahmen sollen zur Aufforstung abgeholzter Flächen auf Borneo verwendet werden

Ein Konzert besuchen und dabei noch ein kleines Stück Regenwald retten: Rund 400 vorwiegend junge Leute nutzten diese Gelegenheit am Donnerstagabend im Colos-Saal auf dem 14. "Regenwaldfestival". Um den Hintergrund des Konzerts zu verdeutlichen, hatte man den alten Namen "Rainbowfestival" geändert.

Jeder Besucher sorgte mit dem Kauf der acht Euro teuren Karte für die Aufforstung von über zehn Quadratmeter Regenwald auf der Insel Borneo. Das versprachen die Veranstalter, der Aktionskreis (AK) Regenwald des Nord-Süd-Forums und der Verein Rainbowfestival.

Der Gewinn, die Veranstalter rechneten mit 1000 bis 1500 Euro, gehe an "Samboja Lestari", ein Gemeinschaftsprojekt der "Borneo Orang-Utan Survival Foundation" und des Vereins "Rettet den Regenwald". Ziel des Programms ist der Aufbau von 17 Millionen Quadratmetern Regenwald als Lebensraum für die vom Aussterben bedrohten Orang-Utans. Auch die Einheimischen sollen davon profitieren, zum Beispiel durch Arbeit beim Pflanzen der Bäume. "Naturschutz soll immer auch von Vorteil für die Bevölkerung sein" erklärte Gerhard Radl vom AK Regenwald.

Vier Bands aus der Region hatten sich bereit erklärt, ohne Gage auf dem Festival zu spielen. Den Auftakt machten "Silent Revolution": Das Duo aus Gitarristin und Sängerin Kathrin und ihrem Cousin Sascha am Bass bot dem Publikum ruhige, klare Klänge und wurde dafür mit viel Beifall belohnt. Bei "Rose's Kitchen" ging es deutlich lauter zu, vor mittlerweile vollem Haus brachte die Band das Publikum mit viel Einsatz und Coversongs von Lynyrd Skynyrd bis Robbie Williams zum Singen, Hüpfen, Tanzen.

Damit hatte die Stimmung allerdings ihren Zenit erreicht: Merklich kleiner war das Publikum, das durchaus Gefallen fand an "Big Deal" mit ihrem energiegeladenen Rock'n'Roll, einer engagierten Show und Gastmusikern aus der lokalen Musikszene wie Boppin'Bs Didi Beck am Kontrabass. "Big Deal" drückten schon durch ihr Outfit mit weißen Hemden, schwarzen Sakkos und an die Beatles erinnernden Frisuren ihr Faible für die Swinging Sixties aus. Ihre Songs kamen jedoch erstaunlich frisch und in modernem Gewand daher.

Der musikalischen Höhepunkt der Veranstaltung, die Funk-Formation "Sox in the Box", spielte vor noch weniger Publikum. Das konnte die Band trotz ihres unerhört groovenden Mixes aus Funk, Rock und Soul nicht verhindern. Nur ein kleiner, tanzender Haufen stand noch vor der Bühne, als die Gruppe kurz vor eins ihr letztes Lied spielte.

Am Rand des Festivals konnten sich die Zuschauer über das Projekt "Samboja Lestari" informieren, der AK Regenwald war mit einer Videopräsentation - leider schwer verständlich und auf Englisch - und einem Infostand vor Ort. Das Interesse der Jugendlichen dafür war allerdings reichlich diffus, oder, wie "Big Deal" es ausdrückten: "Wir sind heute glaub' ich alle irgendwie verantwortlich für den Regenwald."

Quelle: Main-Echo, Michael Noe / Fabian Klein