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Minirock und grobkörnige Biokekse - 15. Regenwaldfestival im Colos-Saal gut besucht - Gut gemeinte Reden gehen im Party-Geraune unter

Eine Party für den Regenwald, Abtanzen und damit noch Bäume retten - prima Sache, dachten sich die Aschaffenburger und strömten zahlreich zum 15. Regenwaldfestival, das der Arbeitskreis »Regenwald- und Rainbowfestival« am Donnerstag im Colos-Saal veranstaltete. Der Erlös des Konzerts kommt Aufforstungsarbeiten in Costa Rica zugute.

Die Musik des Abends war leicht verdaulicher Partyrock und -pop von Big Deal, Vermillion Valve und den Floppers. Flockige Sound-Berieselung, die die großteils sehr jungen Besucher statt zum Tanzen eher zum Reden und Flirten nutzten, oder zum Gedanken-Schweifen-Lassen. Hin zu den Sommerferien beispielsweise, die man ja mal in Südamerika in einem Dschungel-Workcamp verbringen könnte - Flyer und Broschüren zu dem Thema lagen genug aus.

Die fünf Jungs von Big Deal sprangen in seriös flippigen Outfits über die Bühne, formten metallische Schlagzeughiebe und rauen Bass zu harten Rockgebilden, sagten nach jedem Song »gute Sache, die Aktion hier«, verwiesen auf ihre neue CD und den »Merchandise-Stand« im Saal.

Getreu ihrem Motto »Ohne Proben ganz nach oben« sah die Aschaffenburger Coverband Die Floppers ihren Auftritt locker; zwischen statisch nett wiedergegebenen Pop-/Rock-Evergreens wie »Walking on Sunshine« und »Wild Thing« diskutierten die sechs buntkrawattigen Musiker, wann welches Solo eigentlich gekommen wäre, ob es auf der Bühne wärmer ist als auf der Tanzfläche und andere Dinge, die keinen interessierten. Hörte ja auch niemand zu: Der Abend war weniger ein Konzert als eine chillige Party mit Background-Beschallung.

Zwischendurch kam der Aschaffenburger Grünen-Stadtrat und -Landtagsabgeordnete Thomas Mütze zu Wort, doch seine gut gemeinten Ausführungen zu Energiesparlampen, Ökostrom und Wärmedämmung unterlagen dem Party-Geraune und -Gekicher: Niemand stellte das Reden ein, nicht die Minirock-Mädchen vor der Bühne, nicht die Tresen-Hänger, nicht einmal die Ökofrauengruppe, die unwirsch alle abwies, die sich auf die noch freien Stühle an ihrem Tisch setzen wollten und mitgebrachte, grobkörnige Biokekse verzehrte.

Bio - da wären wir wieder beim Regenwald und dem Sinn des Abends: Unterstützt wird das Projekt Arbofilia in der Carara-Potenciana-Region in Costa Rica, wo wieder Leben entstehen soll, nachdem die Menschen es durch Abholzung und Ackerbau zerstört haben. Wo einst weite Bergnebel- und Mangrovenwälder das Land bedeckten, werden nach und nach wieder mühsam Setzlinge angepflanzt.

Quelle: Main-Echo, Susanne Hasenstab

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