Förderprojekte

Das Projekt: Tipuani
Arbofilia (abgeschlossen) | Samboja Lestari (abgeschlossen) | La Amistad (abgeschlossen) | UIRAPURU (abgeschlossen)

Die Besiedlung des brasilianischen Bundesstaates Rondonias ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass intakte Wälder heute fast ausschließlich dort zu finden sind, wo indianische Völker leben. Trotz jahrzehntelanger Unterdrückung verstehen sie sich immer noch als die "Wächter der Wälder". Ihre geringen Kenntnisse der brasilianischen Gesellschaft und des großen Potentials ihrer natürlichen Ressourcen verhindern aber häufig eine eigenständige Verbesserung ihrer Lebensbedingungen und eine effektive Vertretung ihrer Rechte.

Hier begann die Arbeit unserer Partnerorganisation UIRAPURU. Von Porto Velho, der Hauptstadt Rondonias aus, arbeitet sie eng mit den indianischen Völkern der Region zusammen. Diese Kontakte waren ausschlaggebend für die Gestaltung der aktuellen Programmschwerpunkte. Die Verbesserung der Gesundheitsversorgung, der Aufbau wirtschaftlicher Alternativen und eine Rechtsberatung zur Absicherung der indianischen Territorien werden von den Indianern immer wieder als die dringlichsten Aufgaben genannt.

Von den 37 indigenen Gebieten, die es in Rondonia und den unmittelbar angrenzenden Gebieten im Norden von Mato Grosso und dem Süden von Amazonas gibt, sind nur 9 Gebiete rechtlich völlig abgesichert. Die brasilianische Regierung ist bis heute ihrer in der Verfassung festgelegten Aufgabe der Demarkation aller indigenen Gebiete nicht nur nicht nachgekommen, sondern stellte mit einer Gesetzesänderung auch das bisher Erreichte in Frage.

Die gesundheitliche Situation der indianischen Völker ist alarmierend. Eine funktionierende Gesundheitsversorgung fehlt in den meisten Dörfern und die traditionelle indianische Medizin allein ist nicht in der Lage, die von den Kolonisatoren eingeschleppten Krankheiten zu heilen. Kenntnisse über Prävention und Behandlung der "neuen" Krankheiten wie Malaria, Gelbfieber, Tuberkulose, Masern, Grippe, Cholera und Geschlechtskrankheiten gibt es kaum. Auch die Pestizide der großen Sojafarmen und das bei der Goldgewinnung freigesetzte Quecksilber stellen eine große Gefahr für die Gesundheit der indigenen Bevölkerung dar.

Beratung und Ausbildung in indianischen Gemeinschaften schafft die Voraussetzungen für eine eigenständige Entwicklung. Gemeinsam mit den Vertretern der indianischen Völker werden traditionelle Nutzungsformen ausgebaut und über die Sicherung der Selbstversorgung hinaus weiterentwickelt. Damit können wirtschaftlich tragfähige Alternativen zu einer zerstörerischen Nutzung des Waldes aufgebaut werden, die die bestehenden gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen berücksichtigen.

Ein wichtiges Anliegen der indigenen Völker der Region ist die rechtliche Absicherung ihres Landes. Holzfirmen, Bergbaugesellschaften und Großgrundbesitzer haben heute einen bestimmenden Einfluß auf das Geschehen in Rondonia. Indianer dagegen gehören zur untersten sozialen Schicht Brasiliens. Immer wieder kommt es zu Übergriffen auf Indianer und ihr Land. Durch staatliche Stellen erhalten sie kaum Unterstützung. Bei Auseinandersetzungen über Landrechte mit staatlichen Behörden, Siedlern oder Goldsuchern sollen indigene Gemeinschaften von einem Rechtsanwalt beraten und gegebenenfalls in Präzedenzfällen vor Gericht vertreten werden.

In Kursen bei den verschiedenen Völkern findet die Ausbildung indianischer Gesundheitshelfer statt. Im Vordergrund steht das Erkennen und die Behandlung von Malaria, Grippe, Tuberkulose und anderen Infektionskrankheiten. Die Kurse beinhalten die Anlage von Heilpflanzen- und Gemüsegärten sowie hygienische Grundmaßnahmen in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Dorfgemeinschaft. Besonderer Wert wird auf die Einbeziehung der traditionellen indigenen Medizin gelegt.

Ein gutes Beispiel:
Außerhalb von Porto Velho unterhält UIRAPURU ein Geländes, auf dem die Gärten für Heilpflanzenanbau, Gemüsezucht und Baumschule vorgesehen sind. Nachdem Es komplett eingezäunt wurde, um Fraßschäden durch Tapire, Riesengürteltiere und andere Wildtiere zu verhindern, konnten die ersten Setzlinge tropischer Fruchtbäume angezogen und anschließend den Indianern zur Verfügung gestellt werden. Zukünftig wird hier Saatgut von Wildfrüchten, Heil- und anderen Nutzpflanzen aus verschiedenen indianischen Lebensräumen systematisch gesammelt und kultiviert. Für die Ausbildungskurse bringen die Indianer der verschiedenen Völker nicht nur eigene Pflanzen mit, sondern auch eine Vielzahl von Erfahrungen, die an andere weitergegeben werden können.